Nachtjäger

(07/02/2018)

Grauenhafte Morde im schönen Rom.

Ein irrer Psychopath treibt sein Unwesen in der italienischen Landeshautstadt: Er ermordet seine Opfer nicht nur brutal, sondern setzt die Leichen − gleich einem Bildhauer − dann als mythologische Fabelwesen verunstaltet an öffentlichen Plätzen in Szene. Die Polizei tappt im Dunkeln und ihr wichtigster Ermittler befindet sich nach dem Tod seiner Frau in einer schweren psychischen Krise. Commisario Enrico Mancini, ein begnadeter Profiler, der sich sonst in die Täter hineinversetzten kann, findet keinen Zugang zu dem Fall. Immer mehr Menschen werden Opfer des Serientäters, ohne dass er eine heiße Spur entdecken kann. Mancini ist hin- und hergerissen zwischen alten Schuldgefühlen, großer Wut und völliger Leere, und seine neue Liebe zur Staatsanwältin Giulia und das schlechte Verhältnis zum Polizeipräsidenten machen die Arbeit seines Teams nicht leichter. Lediglich die dargestellten mythologischen Figuren geben einen Ansatz für die Ermittlungen, weshalb man die Kunsthistorikerin Alexandra hinzuzieht. Langsam entdecken die Ermittler das System hinter den Morden, doch nur wenn der Kommissar über seine eigenen Schatten, die ihn quälen, springen kann, gibt es eine Chance den Mörder zu finden und zu stoppen.

Der Thriller "Nachtjäger" des in Rom geborenen Autors Mirko Zilahy liest sich wirklich spannend. Die Figuren des Kommissars, des Teams und des Täters werden ausführlich und gleichberechtigt vorgestellt und charakterisiert. Kapitel aus der Sicht des Mörders - dann einfach nur Jäger genannt - und aus der Sicht des Ermittlerteams wechseln sich ab, ebenso wie unterschiedliche Zeitebenen in der Geschichte des Täters, was für zusätzliche Spannung sorgt und nach und zu einer umfassenden Darstellung des Mörders führt. Das Ende und die Auflösung des Falls sind überraschend, allerdings hätte man aufgrund der Entwicklung des Falls einen dichteren, raffinierteren Schluss erwartet.

Dass es sich bei diesem Buch bereits um den zweiten Thriller rund um die Hauptfigur Enrico Mancini handelt, spielt beim Lesen keine entscheidende Rolle. Wer die erste Geschichte "Schattenkiller" nicht kennt, wird mit wichtigen Informationen versorgt und kann bei der Lektüre bestens folgen. Liebhaber der italienischen Metropole Rom, der Mythologie und der alten Kunst werden sich dabei besonders angesprochen fühlen.