Maria Theresia. Die Macht der Frau

(12/05/2017)

Frauenpersönlichkeit zwischen Thron und traditionellem Familienbild.

Es ist durchaus ein Vorteil, dass die französische Philosophin und Feministin Élisabeth Badinter, im deutschsprachigen Raum vor allem bekannt durch ihr Buch "Die Mutterliebe. Geschichte eines Gefühls", wenig über die österreichische Kaiserin Maria Theresia wusste, sondern sie über die Korrespondenz mit deren Tochter, der französischen Königin Marie Antoinette, entdeckte. So näherte sie sich unbefangen und auf neuen Wegen über zahlreiche Briefe und Dokumente der damaligen Zeit dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit. Ihre Erkenntnisse und Interpretationen fasste sie in ihrem Buch "Maria Theresia. Die Macht der Frau" zusammen, dessen Übersetzung jetzt − pünktlich zum 300. Geburtstags der Habsburgerin am 13. Mai 2017 − im Wiener Verlag Paul Zsolnay veröffentlicht wurde.

Natürlich bringt das Jubiläum zahlreiche Neuerscheinungen über die österreichische Kaiserin mit sich, was aber das Buch von Élisabeth Badinter so besonders macht, ist, dass es hier nicht so sehr um eine chronologische Biographie geht, sondern um den Versuch, das Leben, den Charakter und die Handlungsweise anhand von historischen Original-Quellen nachzuvollziehen, statt meist zensierte Veröffentlichungen zu nutzen. Diese detaillierte Recherche und die psychologische Analyse der Autorin zeigen, wie etwas im historischen Kontext gesehen wurde und wie es aus heutiger Sicht zu bewerten ist. Dabei formuliert die französische Philosophin sehr sachlich, gleichzeitig aber immer durch eine feministischen Denkweise geprägt, wobei auch die Familienmitglieder Maria Theresias, Vater, Mutter, Ehemann und Kinder sowie wichtige Bezugspersonen und ihre Bedeutung ausführlich einbezogen werden.

Generell ist es sicher von Vorteil bei der Lektüre schon etwas mit der Biographie der Habsburgerin vertraut zu sein. Aber auch Leser, die bereits viel über die Regentin und die damalige Zeit wissen, finden viele neue Betrachtungsansätze. Am Ende wird vor dem Hintergrund des damaligen Frauenbilds, das Badinter ungeschönt reflektiert, umso deutlicher klar, was für eine bedeutende Persönlichkeit Maria Theresia war.