Lost in Fuseta

(14/07/2017)

Deutscher Inspektor in portugiesischer Traumkulisse.

Schon der Anfang der Geschichte hat Unterhaltungspotenzial: Im Rahmen eines europäischen Austausches kommt ein Hamburger Inspektor an die portugiesische Algarve, direkt passiert der erste Mord, und schon prallen deutsche "Tugenden" und südländische Gelassenheit und Lebensfreude aufeinander.

Schnell sind die örtliche Sub-Inspektorin Rosado und ihre Kollege Esteves verärgert. Doch dann finden sie heraus, dass der äußerlich und von seiner Art her eigenartige Leander Lost (von dem sich auch der Titel des Buches ableitet, obwohl man zunächst anders spekuliert) ein aufrichtiger und liebenswerter Mensch ist, der aufgrund seines Autismus immer die Wahrheit sagen muss und über ein unglaubliches fotografisches Gedächtnis verfügt. Und so entsteht nach und nach vor der Traumkulisse der Algarve ein "Dreamteam", welches nicht nur alte und neue Morde aufklärt, einen Wirtschaftsbetrug aufdeckt und einem Waisenkind hilft, sondern am Ende auch nicht mehr ohne einander kann und will.

Dabei lässt der in Hamburg geborene und unter dem Namen Gil Ribeiro schreibende Autor nicht nur seine ganze Liebe zu Landschaft und Menschen in Portugals Süden einfließen, die schwelgerischen Beschreibungen lassen sofort Fernweh aufkommen und erzeugen bei Urlaubern garantiert wunderschöne Bilder der Erinnerung. Gleichzeitig erschafft er mit den einzelnen Personen so liebenswerte Charaktere, dass man sie schnell nicht mehr missen möchte. Besonders Leander Lost wächst dem Leser ans Herz durch seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, die immer auch zu sehr komischen Situationen führt. Gil Ribeiro zeichnet ein so feines Bild seiner Protagonisten und ihrer Eigenheiten, dass der Krimi dabei manchmal in den Hintergrund gerät. Das ist aber kein Problem, vor allem weil das Buch auch als Aufmacher einer Krimireihe rund um Leander Lost gedacht ist. Das funktioniert − man freut sich wirklich auf den nächsten Band.