Ein Festtag

(16/08/2017)

Der Tag, nach dem alles anders war.

Eine junge Frau liegt mit einem jungen Mann auf dem Bett, nachdem sie sich geliebt haben. Ihrer beider Vertrautheit und Nacktheit machen sie einander ebenbürtig. Doch die Szenerie in dem von der Märzsonne durchfluteten Raum trügt, denn es ist nicht nur das Jahr 1924, sondern Jane ist das Dienstmädchen eines benachbarten Anwesens und Paul der Spross des Herrenhauses, der in zwei Wochen eine standesgemäße Ehe eingehen wird. Schon lange haben die beiden ein Verhältnis. Immer enger hat es sich entwickelt und nun, da Eltern und Personal nicht da sind, treffen sie sich das erste Mal in Pauls Zimmer − und es wird das letzte Mal sein. Denn es ist ein Wendepunkt in beider Leben. Der junge Mann muss seine Freiheit aufgeben und sich mit der Vernunftehe arrangieren. Als er zu seiner Verlobten aufbricht, ist sein Abschiedsgeschenk an Jane, dass sie sich frei im Haus bewegen darf. Für die junge Frau ist das ein Festtag, der auch für sie alles für immer verändern wird, denn sie begreift sich als unabhängige, starke und selbstbestimmte Frau.

Und in Wahrheit ist Jane längst eine gefeierte Schriftstellerin geworden, die sich im hoch betagten Alter an jenen Tag erinnert, nach dem alles anders war. Dabei lässt der englische Autor Graham Swift seine Protagonistin die Geschichte durch ihre Gedanken erzählen. Sie springt unglaublich leicht durch die verschiedenen Epochen ihres Lebens und gibt damit dieser für sie so wichtigen Episode die unterschiedlichsten Sichtweisen. Denn es ist nur diese eine Begebenheit, durch die Graham ein komplettes Leben erzählt. Vergangenheit und Jetzt verschmelzen zum Ganzen. Als Leser ist man eng eingebunden in die Entwicklung, in Jane, man folgt ihr gespannt und ist gleichzeitig fasziniert von der klugen Frau, die unerschrocken ihren Weg vom Waisenkind zur unabhängigen Literatin beschreitet.

Graham Swift, 1949 in London geboren, gehört zu den Stars der britischen Gegenwartsliteratur, dessen Werke weltweit übersetzt und verfilmt wurden. Er brilliert in diesem Roman mit einer sehr weiblichen, fast feministischen Sichtweise. Ein Festtag für Jane und auch für den Leser.