Die Irren mit dem Messer

(08/11/2017)

Einblick in die Sterneküche.

Was für ein unglaublicher Bruch in der Vita! Die in ihrem Beruf erfolgreiche deutsche Journalistin Verena Lugert beschließt mit Ende 30 noch einmal ganz von vorne anzufangen. Sie will ihren Traum ausleben und Köchin werden. Dafür nimmt sie ihr Erspartes und geht nach London, um an der dortigen Dependance einer der renommiertesten französischen Kochschulen eine Ausbildung zu beginnen. Es ist ein anstrengender Weg, den sie beharrlich verfolgt – aber es ist nichts im Vergleich zu dem, was sie erwartet, als sie nach ihrem Abschluss als Köchin arbeitet. Denn sie fängt nicht irgendwo an, sondern gleich im Restaurant eines bekannten englischen Sternekochs. Und was sie darüber zu berichten hat, ist kaum zu glauben, macht aber direkt klar, warum der Titel ihres Buches „Die Irren mit dem Messer“ heißt. Im Rückblick berichtet Verena Lugert darin von ihrem Werdegang in der Haute Cuisine und lässt den Leser authentisch an ihren Erfahrungen teilhaben.

Da ist von unglaublichen Arbeitsbedingungen die Rede, von 16-Stunden Tagen, von Erschöpfung, Hunger und Durst, von militärisch anmutenden Hierarchien und sogar von körperlicher Gewalt, gleichzeitig aber auch von ausgeprägtem Teamgefühl und Zusammenhalt, der erfüllenden Kreativität der edlen Kochkunst und vom Glück der Perfektion. Der Leser lernt viel über das Kochen, die Produkte, die Verarbeitungsweisen sowie die Abläufe und die Organisation der Sterneküche.

Dabei merkt man, dass die Autorin eine gestandene Journalistin ist und das Handwerk des Schreibens beherrscht. Sehr strukturiert analysiert sie beispielsweise auch ihre eigene Person und ihre Entwicklung, berichtet sachlich von ihren Erlebnissen und bezieht das Umfeld mit ein. Gleichzeitig bereichert sie die Geschichte durch die interessanten Lebensläufe bekannter englischer Starköche, wobei spätestens hier klar wird, dass die Personen des Buches alle real sind. So bekommt man einen guten Einblick in die Welt der Sterneküche und ist am Ende überrascht, was man alles Unvorstellbares erfahren hat.