Die Geschichte des Wassers

(11/04/2018)

Nach den Bienen kommt das Wasser.

Wer hätte gedacht, dass ein Roman über das Thema Bienen in Deutschland zum meistverkauften Titel 2017 wird! Wahrscheinlich die wenigsten. Aber Maja Lunde hatte mit „Die Geschichte der Bienen“ die richtige Intuition. Natur und Umwelt liegen im Zeitgeist, immer mehr Menschen interessieren sich dafür. Mit großer Spannung erwartete man nun das neue Buch der norwegischen Autorin. Das knüpft als „Die Geschichte des Wassers“ wieder an die Grundidee der Zerstörung der Umwelt und der daraus folgenden Katastrophen an. Und mehr noch: Mit Erscheinen des Buches hat Maja Lunde angekündigt, dass es sich hierbei um den zweiten Band eines Klimaquartetts handelt und sie in den folgenden Werken eine Verbindung unter den einzelnen Büchern plane.

Im aktuellen Roman steht also das Wasser im Mittelpunkt: Statt drei werden diesmal zwei verschiedene Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Da ist einmal die fast 70-jährige Umweltaktivistin Signe aus Norwegen, willensstark und unbeugsam in der Sache, die mit ihrem Segelboot „Blau“ nach vielen Jahren in ihr norwegisches Heimatdorf zurückkehrt und deutliches Signal gegen die Umweltzerstörung setzen will. Denn der sowieso schon schwindende Gletscher wird abgeschlagen, um mit ‚reinsten‘ Eiswürfeln für die Drinks reicher Kunden Gewinn zu machen. Signe kippt einen Teil des Eises ins Wasser, den Rest nimmt sie an Bord um ihn nach Frankreich zu Magnus zu bringen, ihrer großen, aber unglücklichen Liebe, den sie für diesen Raubbau verantwortlich macht. Und der Leser begleitet diese geradlinige, engagierte, teilweise auch starrsinnige Frau auf ihrer abenteuerlichen Seereise.

Daneben lernt er die Geschichte des jungen Franzosen David kennen, der nur 24 Jahre später mit seiner kleinen Tochter Lou auf der Flucht ist. Eine lange Zeit der Trockenheit hat ihren Lebensraum zerstört, Wassermangel, Hitze und Feuer bestimmen den Alltag. Die beiden haben Mutter und Bruder verloren und schlagen sich in ein Lager im Norden durch, wobei David bei all der Trostlosigkeit versucht, seiner Tochter ein wenig Kindheit zu ermöglichen. Und dann geschieht eine absolut gelungene Verknüpfung der beiden Erzählstränge, was zu einem überraschenden, gut komponierten Ende führt.

„Die Geschichte des Wassers“ ist ein tolles Buch, das beeinflusst. Es greift die Themen Raubbau der Natur, daraus entstehende Umweltkatastrophen, Flucht und die Bedeutung für den Einzelnen ohne vordergründige Mahnung auf und schafft es trotzdem, den Leser betroffen zu machen. Wie schon „Die Geschichte der Bienen“ bei vielen Menschen ein Nach- und Umdenken erreicht hat, schafft es auch dieser Titel wieder, die für uns und die kommenden Generationen so wichtige Auseinandersetzung anzustoßen. Denn Unternehmen, die Gletscher-Eiswürfel verkaufen, sind keine Erfindung von Maja Lunde.