Die Geschichte der Bienen

(31/05/2017)

Drei Menschenleben in Abhängigkeit von Bienen.

Vielleicht ist der Titel ein wenig irreführend, denn bei dem Roman von Maja Lunde geht es nicht nur um Bienen und nicht nur um eine Geschichte, sondern genauer betrachtet um drei unterschiedliche Menschenleben, die jeweils auf ihre ganz eigene Art mit den Insekten verbunden sind.

Da ist zunächst die junge Frau Tao, die in China im Jahr 2098 lebt und die Arbeit der Bienen übernommen hat. Diese sind nämlich längst ausgestorben und das mühevolle Bestäuben von Blüten erfolgt durch Menschenhand. In dieser Zukunft der emotionalen Kälte findet sich eine Gesellschaft, bei der die Menschlichkeit längst den Überlebensnöten gewichen ist.

Im Gegensatz dazu trifft der Leser dann auf William, einen einst hoffnungsvollen Biologen im England des 19. Jahrhunderts, der wissenschaftlich und menschlich am Leben gescheitert ist. Seine Studien und sein Versagen sind eng mit dem Erkunden der Bienen verbunden.

Der Dritte im Bund ist George, ein Imker und Bienenzüchter aus den USA mit rauer Schale und liebenswertem Kern, den das plötzliche Verschwinden ganzer Bienenvölker im Jahr 2007, bekannt als CCD Colonie Collapse Disorder, in den Ruin zu stürzen droht.

Diese sehr unterschiedlichen Charaktere beherrschen die drei verschiedenen Ebenen des Romans, die Maja Lunde immer abschnittweise weiter erzählt, bis am Ende des Buches die Verknüpfung sichtbar wird. Das macht die norwegische Autorin so geschickt, dass man ganz gespannt von Kapitel zu Kapitel liest, und es kaum erwarten kann zu erfahren, wie die Entwicklung bei jedem der drei Personen weitergeht.

Dabei lernt der Leser gleichzeitig Wissenswertes über die Bienen. Aber nicht nur das: Auch die Bedeutung und Wichtigkeit dieser Insekten für den Menschen, die nicht mehr übersehbare Problematik des Bienensterbens und die Konsequenzen eines möglichen Aussterbens werden aufgezeigt. Biographie, Wissenschafts-Roman und Science Fiction − ein absolut fesselndes Buch.