Der Lärm der Zeit

(01/03/2017)

Die Welt der Musik in der Welt der Diktatur.

Dmitri Schostakowitsch ist ein weltweit bekannter Komponist des letzten Jahrhunderts, dessen Liebhaber seine Werke wegen ihrer Kraft und Ausdrucksstärke schätzen. Während die meisten Menschen noch wissen, dass er ein russischer Musiker war, kennen die wenigsten genauere Details seines Lebens. Dabei war es mehr als spannend, von extremen Höhen und Tiefen geprägt und eng mit der politischen Entwicklung Russlands verknüpft.

1906 im zaristischen St. Petersburg geboren, wuchs Schostakowitsch während der Revolutionszeit auf und studierte im kommunistisch regierten Russland. Bereits mit 19 Jahren konnte er mit seinen Kompositionen riesige Triumpfe feiern und Weltruhm erlangen. Dieser Erfolg war jäh beendet, als der schon unter politischer Beobachtung Stehende bei Stalin in Ungnade fiel. Nachdem der Diktator 1936 während einer Aufführung von Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" wortlos das Theater verließ, was einem Todesurteil gleichkam, schien seine Karriere beendet, der Musiker rechnete mit dem Schlimmsten.

An dieser Stelle setzt der Roman "Der Lärm der Zeit" des englischen Schriftstellers Julian Barnes ein. Er beschreibt Schostakowitschs Panik, der mit seiner Inhaftierung oder Schlimmerem rechnet, und vor diesem Hintergrund auf seinen Werdegang und die Entwicklung des Landes zurückschaut. In insgesamt drei Kapiteln, die den Rückblick aus unterschiedlichen Epochen von Schostakowitschs Leben ermöglichen, lässt Barnes den Komponisten in knappen, stechend formulierten Sätzen seine hin- und herspringenden Gedanken wiedergeben. Er fügt sie zu einem Ganzen, das das düstere Bild des Landes und der Bewohner, die unter der grausamen Diktatur Stalins leiden, widerspiegelt.

Der Leser lernt sehr detailliert Vita und Werdegang des Musikers kennen, gleichzeitig lässt der Autor die Unmenschlichkeit des Regimes, seine Willkür und die grauenhafte Angst und Machtlosigkeit der Menschen lebendig und nachvollziehbar werden. Im Mittelpunkt steht dabei auch immer die Frage, wie Künstler mit Diktatur, Unterdrückung und Einschränkung der Meinungsfreiheit umgehen, eine Problematik, die momentan aktueller denn je ist. Ein Buch, das die Bedeutung von Demokratie und Freiheit einmal mehr verdeutlicht.