Das Versprechen eines Sommers

(14/03/2018)

Große Liebe vor italienischem Küstenpanorama.

Eine wirklich große, aber überhaupt nicht kitschige Liebesgeschichte: Hal, der Ich-Erzähler, erinnert sich an die Liebe seines Lebens und denkt zurück an einen Sommer in Italien, der alles veränderte. In einem spannenden Prolog nimmt er den Leser mit auf die Reise in die Vergangenheit und zieht ihn geradezu in diese Geschichte hinein. Damals lebte der Engländer im Rom der 50er Jahre und arbeitete als Journalist. Auf der Suche nach einer guten Story gerät er zufällig auf eine Party der Reichen und Mächtigen und lernt eine Frau kennen – Stella – von der er sich sofort angezogen fühlt. Sie verbringen eine einzige Nacht miteinander und sehen sich nicht wieder.

Ganz unerwartet treffen sie jedoch ein Jahr später aufeinander, als er von einer alten Contessa gebeten wird, über die Werbetour ihres Filmprojektes zu schreiben und dabei die Akteure auf einem Schiff auf der Reise nach Cannes zu begleiten. Das Team ist mehr als illuster: die 70-Jährige, agile Contessa, ein weltberühmter, aber in sich gekehrter Regisseur, der stets betrunkene Hauptdarsteller, ein attraktives junges Filmsternchen, ein bekannter Fotograf und der reiche amerikanische Geldgeber und seine Frau – Stella. Obwohl Hal und Stella sich so gut wie möglich aus dem Weg gehen und versuchen, ihre Gefühle füreinander zu unterdrücken, werden sie immer stärker voneinander angezogen. Ihre unmögliche Liebe stürzt sie in ein Gefühlschaos, das dadurch verstärkt wird, dass ihr wahres Ich immer mehr hervorkommt. Denn weder er noch sie sind nur diejenigen, die sie auf den ersten Blick darstellen. Und auch die anderen Mitreisenden haben ihre eigenen, oft tragischen Geschichten.

Und genau das ist die Stärke des Buches. Die englische Autorin Lucy Foley beschränkt sich nicht darauf, eine Liebesgeschichte zu erzählen, sondern portraitiert sehr genau die verschiedenen Charaktere und stellt deren Schicksale gleichberechtigt vor. Der Leser lernt Leben mit Höhen und Tiefen kennen. Dabei werden die unterschiedlichen Stränge miteinander verknüpft und die Lebensläufe Stück für Stück in eingeschobenen Rückblenden erzählt, bis sich ein ganzes Bild ergibt. Geschickt fügen sich die unterschiedlichen Erzählebenen zum Ganzen: Hal berichtet als „er“ ebenso wie Stella als „sie“ über die eigenen Emotionen. Es gibt ein Tagebuch eines Vorfahren der Contessa, das in Episoden eingearbeitet, die Liebesgeschichte zusätzlich dramatisiert. Insgesamt ist dabei die Sprache der Autorin so dicht und ausdrucksstark, dass man die Szenerie Roms und der ligurischen Küste bildhaft vor sich sieht und teilweise das Gefühl hat, man wäre in einem Film. Es ist das zweite Buch der 1986 in Sussex geborenen und in London lebenden Autorin, die manchem Leser sicher schon von ihrem Erstlingswerk „Die Stunde der Liebenden“ bekannt ist.